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Donnerstag, 14. Dezember 2017
Reise in die Geschichte der Atomenergie
Autorin Sybille Tetsch liest aus ihrem neuen Jugendbuch „Emmy und der Kern der Dinge“
(Do., 30.11.17/UT) Emmy, die Heldin in Sybille Tetschs Jugendbuch „Emmy und der Kern der Dinge“ ist eine Leseratte. Beim Stöbern im Bücherschrank ihres Vaters entdeckt sie ein Buch von Walt Disney – „Unser Freund das Atom“. Emmy wundert sich über den sonderbaren Titel, der so gar nicht nach Micky Maus & Co. klingt. Tatsächlich geht es darin um Disneys Faszination zur Atomenergie. Emmy möchte herausfinden, was es mit dieser Faszination und den Gefahren der Atomenergie auf sich hat. Dafür schickt die Autorin Sybille Tetsch ihre junge Heldin an sieben Orte dieser Erde, deren Schicksal mit der Atomenergie verhaftet ist.

Coverbild - Emmy und der Kern der Dinge
Emmy sieht in Disneys Buch die Abbildung eines Rauchpilzes, der nach einer Atombombenzündung in den Himmel aufsteigt. Ein entfesselter Flaschengeist, der gewaltigen Schaden anrichtet, sobald er frei gelassen wird. Emmy empfindet es aber auch als Wunder, dass so eine gewaltige Kraft in einem solch kleinen Gefäß wohnen kann. Sie braucht Klarheit, deshalb besucht sie erstmal ihren Freund und Nachbarn Dr. Winfrid Eisenberg. Dr. Eisenberg ist ein pensionier Kinderarzt, der sich in einer Organisation für die Verhütung von Atomkriegen (IPPNW) engagiert. Er soll Emmy erklären, was es mit den Atomen und der Strahlung auf sich hat. Nach diesem Gespräch beginnt Emmy ihre Erkundungsreise.

Emmys Reise gleicht einer Suchwanderung wie im Märchen, deren Ziel es ist, den Weltzustand wieder in Ordnung zu bringen. Hierfür setzt die Autorin märchenhafte Mittel ein, wie einen kleinen Vogel auf dessen Schwingen Emmy reist. Märchenhaft ist auch ihre Weltverbundenheit, die Emmy befähigt die Kinder, denen sie begegnet, zu verstehen, egal welche Sprache sie sprechen.

Emmy und ihre Reise sind fiktiv, doch die Orte und die Schicksale der Kinder, die Emmy ihre Geschichte erzählen sind real. Da ist Tidart das Tuaregmädchen aus der Stadt Arlit in Niger, einem Uranabbaugebiet. Die Tuareg leiden unter dem Staub, dem Lärm, der Strahlung, die von den Uranhalden ausgeht. – In einem Krankenhaus in Basra, trifft sie den leukämiekranken Rafik. Rafik, der im wirklichen Leben Karar hieß, erzählt Emmy, wie ihm die Folgen des Irak-Krieges zum Verhängnis wurden. Die NATO-Militärs hätten dort Munition mit abgereichertem Uran eingesetzt. Der strahlende Staub sei den Menschen in die Kleider und Körper gekrochen. Rafik starb mit 16 Jahren an Leukämie. – In Sellafield trifft Emmy auf Andrew, der ihr von dem verseuchten Strand erzählt und der Leukämieerkrankung seines Vaters. – Auch Frieda und Hauke aus Geesthacht haben eine Geschichte für Emmy, von einem mysteriösen Unfall im Atomkraftwerk Krümmel, der vertuscht werden sollte. Danach habe es auffällig viele Krebserkrankungen bei Kindern in der Gegend gegeben.

Am Ende ihrer Suchwanderung muss Emmy erkennen, dass der Weltzustand nicht mehr in Ordnung zu bringen ist, denn der Müll wird Millionen von Jahren weiterstrahlen. Aber die Produktion müsste sofort gestoppt werden und es müsste ein Weg gefunden werden, den Müll sicher zu verwahren. Doch Atommüll ist kein Flaschengeist, der lässt sich nicht einfach wegschließen.

Dr. Eisenberg, den es übrigens auch im wirklichen Leben gibt, der sogar ein Vorwort zu dem Buch geschrieben hat, rät Emmy Atomphysik zu studieren. Der zweite Vorwortschreiber, der Kernphysiker und Atomkritiker Dr. Sebastian Pflugbeil, empfiehlt den LeserInnen von „Emmy und der Kern der Dinge“, das Buch ganz altmodisch in der Familie gemeinsam zu lesen und zu diskutieren. Vielleicht sogar weiter zu recherchieren.

Antonia Uthe

 

Buchstaben-Rabe © Sybille Tetsch
Das Buch ist nicht über den Buchhandel erhältlich, kann aber schnell und bequem über den Online-Büchershop für 14,80 Euro (inkl. Versand und Porto) bestellt werden. Leseproben und mehr auf der Internetseite der Autorin Sybille Tetsch www.buchrabensalat.de

 

 
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